An einem kalten Morgen im Dezember treffen wir Mouse on Mars in einem Studio in Berlin-Kreuzberg. Passenderweise sind die Räume selbst Teil eines ­großen Shared-Space-Projektes. Wir wollen von den beiden Musikern hinter Mouse on Mars wissen, wie die Kultur des Sharens ihr neues Album mit dem Titel „Dimensional People“ beeinflusst hat und was die Intention war, das Album als für sie ungewöhnlich offenes und kollaboratives Projekt anzugehen.

shareMAG: Die Art und Weise, wie euer letztes Album „Dimensional People“ entstanden ist, finden wir sehr interessant und auch mutig. So viele unterschiedliche Musiker partizipieren zu lassen und eure musika­lische Vision mit einer Menge Leute zu teilen – wie hat sich das in der Um­setzung angefühlt und wie kam es überhaupt dazu, die Platte so anzugehen?

Andi/ Der Prozess war so nicht wirklich geplant. Das ist ganz organisch gewachsen. Angefangen hat alles, als der Dirigent André de Ridder, der gerade ein Festival auf die Beine stellte, an unsere Studiotür im Funkhaus Berlin geklopft hat und einige Musiker im Schlepptau hatte. Das waren u. a. die beiden Brüder Aaron und Bryce Dessner von der Band The National und Justin Vernon von der Band Bon Iver. Alles Musiker, die wir bis dahin nicht persönlich kannten. Als das Festival dann in Berlin, 2016, stattfand, konnten wir uns weiter beschnuppern und sind dann von Justin Vernon eingeladen worden nach Wisconsin in sein April-Base-Studio. Da haben wir uns dann regelrecht eingenistet, weil er uns das Studio mehr oder weniger überlassen hat. Das ging so weit, dass wir im Studio nicht nur all die Aufnahmen gemacht, sondern sogar dort übernachtet haben.
Jan/ Wenn man das evolutionär betrachtet, hat Teilen sicher eine wichtige Rolle gespielt beim Entstehungsprozess. Ein Anteil „Stehlen und Klauen“ war aber sicher auch mit dabei, denn wir haben uns auch ehrlicherweise ein bisschen reingezeckt ins Studio. Es war sicher ein großes Geschenk, dass wir uns da so wohlfühlen durften – zumal es auch immer frisch von einer Köchin zubereitetes Essen gab. Wir haben das alles irgendwann als völlig selbstverständlich annehmen können.

shareMAG: Wie hat denn der Gastgeber Justin Vernon das wahrgenommen?

Jan/ Justins Leute meinten, er habe ein sehr großes Herz, sei sehr großzügig und freue sich einfach, wenn um ihn herum viel passiert. Als die Mitglieder der Crew von Justin Vernon gemerkt haben, dass wir wirklich ernsthaft aufnehmen und da an etwas ­Konkretem arbeiten, brachten sie immer neue Musiker von dem parallel stattfindenden Festival ins Studio. Daraus entstand eine sehr interessante Kultur des Gebens und Nehmens, Verteilens und Aufeinanderreagierens. Krass war, dass der Strom an Musikern immer mehr zunahm. Das war wie in einem Videospiel, mit immer neuen Leveln. Für den einen Zeitpunkt war jemand angekündigt und eine Stunde später schon der Nächste; das wurde immer irrer, weil immer mehr kamen, die Zeitabstände immer knapper wurden und teilweise die Musiker auch schon parallel von uns aufgenommen werden mussten.

shareMAG: Wie kann man sich das ­vorstellen? Gleichzeitig aufnehmen ist ja nicht ­wirklich einfach, besonders technisch.

Jan/ Weil das Studio eine Öffnung zum Wald nach hinten hat, haben wir beispielsweise das Schlagzeug aus dem Studio raus in den Wald spielen lassen und aus verschiedenen Perspektiven aufgenommen. Wir haben die ganze Aufnahmeprozedur der Sharing-Situation angepasst. Die Aufnahmen sind nicht so zu verstehen, dass wir mit einer idealen Aufstellung von Mikro­fonen, so wie man das normalerweise macht, aufnahmen; sondern so, dass die Aufnahmesituation dynamisch und flexibel gehalten wurde. Dadurch entstehen ganz andere Klangbilder. Dubähnliche Effekte und zufällige Soundcollagen. Da wir das Ganze anschließend prinzipiell nochmal sehr intensiv verarbeiten und schneiden, kamen wir zu außergewöhnlichen Ergebnissen. Das war wirklich großartig.

shareMAG: Gab es vorab Vereinbarungen, wie mit dem eingespielten Material rechtemäßig umgegangen wird?

Jan/ Alle hatten Lust zu geben und keiner hat gefragt, was wir denn mit den Auf­nahmen machen und wie das alles abgerechnet wird. Das liegt natürlich auch daran, dass sich die Situation der Musikindustrie so darstellt, dass ihre große Zeit vorbei ist. Natürlich gibt es noch „die Musikindustrie“, aber die hat sich fragmentiert und ist zersplittert. Das sind alles Mikroökonomien, die zum Teil ineinander­greifen oder für sich versuchen ihren eigenen Weg zu gehen. Es gibt also diesen großen Überbau nicht mehr, aber man hat auch nicht mehr diese Paranoia wie früher: „Wenn ich jetzt etwas gebe und irgendwas daraus entsteht, wie kriege ich dann meinen Anteil daran?“
Andi/ Wenn man im Popkontext ­arbeitet, wo es um Geld und Rechte geht, gibt es diese lange Liste von Musikern und ­Komponisten, die beklaut worden sind. Aber so, wie es da ablief, war es eher wie im Jazz. Das Teilen, das Miteinanderkommunizieren.

shareMAG: Das ist ein interessanter Aspekt des Sharings. Wem gehören eigentlich die Resultate eines derart inspirierten und spontanen Prozesses?

Jan/ Im Grunde ist es so, dass Ideen niemandem gehören. Wenn du eine Idee hast, kannst du daraus etwas entwickeln, etwas herstellen, etwas damit manifestieren – so dass du irgendwann sagen kannst: Dafür beanspruche ich jetzt eine Art Urheberschaft. Die Idee an sich ist aber etwas, wenn sie sich manifestiert, manifestiert sie sich eben, je nachdem wer sie interpretiert oder womit sie verbunden wird oder wofür sie angewendet wird. Vergleichbar wie wenn man in Archiven stöbert oder durch ein Museum geht und man so unfassbar inspiriert werden kann davon. Inwiefern gehört einem Künstler die Inspiration, die er durch sein Bild weitergibt?
Andi/ Die Inspiration ist bei alldem ein sehr wichtiger Faktor.

shareMAG: Die Konstellation, die ihr da ­erschaffen habt, in der ihr euch gegen­seitig befruchtet, konnte so nur in dem ­Moment entstehen. Und ist so auch nicht mehr reproduzierbar. Das ist ja dann das Tolle, dass dieses spontane Sharing Sachen ermöglicht, die anders nicht zustande gekommen wären.

Andi/ Unsere Herangehensweise war auch für die Musiker ungewöhnlich, weil unsere Produktionsweise es war. Überall waren Mikros und man konnte ad hoc etwas aufnehmen. Das wirkte ein bisschen unkonzentriert, was es ja auch eigentlich war. Energie ist immer dann entstanden, wenn Musiker neu dazugestoßen sind. Die haben sicher auch gespürt, da entsteht etwas Besonderes. Gut, wir sind auch prinzipiell nicht so unterwegs zu sagen: „Wir machen jetzt diese Platte und wir brauchen von euch das oder das.“ Wir Musiker sind diesbezüglich zum Glück ein wohlwollendes Volk.

shareMAG: Das erinnert auch an Improvisation im Jazz.

Jan/ Ja, diese Art von Kollaboration ist auch eine Eigenschaft und Qualität, die im Jazz ganz stark genutzt wird. Sie ist aber nicht nur darauf beschränkt, sondern auch in der freien, improvisierten Musik gibt es das konstant. Leute treffen aufeinander, vielleicht auch zum ersten Mal, und erzeugen wirklich ad hoc was ganz Neues und Spezielles. Oder man teilt und tauscht Sachen aus.

shareMAG: Gibt es so etwas wie ein Prinzip der Entstehung eurer Musik? Hat Teilen darin schon immer einen Platz?

Jan/ Unser Verfahren macht eigentlich immer schon aus, dass sich die Musik im Prozess findet. Also, dass man nicht mit einem Konzept von einem Song, einer Kompositionsvorstellung irgendwohin kommt, sondern versucht die Klänge zu verstehen und aus diesem Lesen, meinet­wegen auch eines einzelnen Klangs, eine ganze Entwicklung startet. Daran ­wiederum heftet man Zug um Zug Neues.

Wir verfolgen eine Technik des Sichablenkens, des Unkonzentriertseins, um einen Zustand herzustellen, wo man seinen ­Gedanken oder Vorstellungen gar nicht so sehr nachhängt. Das ist ein Distanz­Nähe-Spiel, da muss man den Moment oszillieren lassen. Und da findet natürlich auch das geteilte Material seinen Platz.

https://www.youtube.com/watch?v=vIb5cVC35Vc&feature=youtu.be

shareMAG: Im Grunde gebt ihr ja auch ein bisschen Macht ab. Wenn man Musik macht, hat man meistens schon eine klare Vorstellung davon, wie die Dinge klingen sollen, was man mag und was man nicht mag. Wenn man es dann aber zulässt, dass andere mitspielen, wie kommt man dann damit klar? Habt ihr die individuellen Geschmäcke der Musiker in der Musik stehen lassen im weiteren Prozess?

Jan/ Das ist eine ganz interessante Frage. Repräsentiert diese Vorstellung von einem genauen Bild oder einer zu verwirklichenden Form wirklich das, was man als Künstler oder Komponist oder Mensch sein will; oder ist vieles davon eigentlich nur ­Klischee, Tradition, Routine und Stereotypie? Das ist eine echt große Frage. Und weiter, ist es nicht vielleicht sogar etwas wie Freiheit, es sich erlauben zu können, mit einer Bewegung mitzugehen und erstmal vorurteilsfrei auf eine Session zuzugehen? Das Wort Macht will ich nicht benutzen, aber es braucht eine gewisse Souveränität und ein eigenes Gebiet, über das man souverän bestimmen und verfügen kann, um sich diese Freiheit nehmen zu können. Im Grunde ist diese Offenheit für andere eine sehr starke Geste von Unabhängigkeit. Das ist ja eine Riesenfreiheit, der sein zu können, der man sein will. Gleichzeitig sagen zu können, unsere Band besteht im Grunde aus zwei Leuten, aber vielleicht ist sie auch ein Ensemble. Bei den ganzen Konzerten, die wir im Rahmen der neuen Platte „Dimensional People“ gespielt haben, traten wir immer als das „Dimensional People Ensemble“ auf. Sozusagen Mouse on Mars mit Gastmusikern.

shareMAG: Hat der Plattentitel „Dimensional People“ denn konkret mit den vielen Musikern zu tun, die an der Entstehung der Platte beteiligt waren?

Jan/ Definitiv. Es ist eine Art ­Menschen-Sammelalbum. Das, was bei unseren anderen Alben früher Klänge waren, abstrakte Sounds, die von irgendwoher kamen und irgendwohin verwiesen haben, das waren in dem Fall jetzt Menschen. Wir haben auch die Rolle des Produzenten ein Stück weit abgegeben oder des Duos Mouse on Mars, das bisher auch immer entschieden hat. Unser Statement mit dieser Platte ist: Wir lassen die anderen jetzt mal machen und die sollen sich vorstellen, was Mouse on Mars sein könnte. Das kann so weit gehen, dass wir uns gar nicht mehr so nennen. Das „Dimensional People Ensemble“ ist tatsächlich ein Stück weg von dem, was wir als Gruppe, Band oder Projekt immer waren. Es kann sich aber auch sofort wieder ändern. Das war jetzt wirklich abgeben und die anderen machen lassen, ihnen den Raum geben, aufeinander reagieren zu können. Da kamen ja auch Leute, die sich nicht kannten, die auf etwas draufgespielt oder -gesungen haben, was andere vorher eingespielt hatten, die wiederum auf was von uns reagiert hatten. Alles verzahnte sich irgendwann so interessant, dass schon die Geste, was man lauter macht, was man wie lange hörbar hält, einem wie ein großer Eingriff vorkam.

shareMAG: Das klingt wie ein Riesenschritt für euch als Mouse on Mars.

Jan/ Ja, es war die Chance, ein bisschen wegzukommen von diesem ständigen Abschneiden, Fragmentieren und Wiederverarbeiten, dem Wiederzurücksetzen; der hundertsten Bearbeitung eines ursprünglich bereits synthetischen Sounds, einer Hypersensibilisierung wie in der Homöopathie, der Verdünnung von der Verdünnung der Verdünnung. Alles Dinge, die Mouse on Mars bisher ja auch ausmachten. 

shareMAG: Was genau ist der Unterschied zu früher?

Andi/ Bei „Dimensional People“ haben wir eine Referenz zum Originalsound stehen lassen. Wir haben das rohbeschnittene Urmaterial mit eingesetzt. So wie wir die Zutaten bekommen haben, haben wir sie verarbeitet. Wir haben versucht das Beste daraus zu kochen und sie gar nicht mehr groß zu synthetisieren. Wir haben auch bewusst den Menschen mehr Platz gelassen, aber die Menschen haben sich interessanterweise ein Stück weit selbst abstrahiert, deswegen der Titel „Dimensional People“. Das beinhaltet die verschiedenen Dimensionen, die ein einzelner Mensch/Charakter, eine einzelne Persönlichkeit haben kann, die sich dann wieder darstellen in Verbindung mit einer anderen Persönlichkeit, die dazukommt.

shareMAG: Der ganze Prozess des Teilens beruht ja auch sehr auf Vertrauen, auf Offenheit und Großzügigkeit von allen Beteiligten.

Andi/ Wir sind in der glücklichen Position, das schon 25 Jahre zu machen, und man kennt sich dann unter Musikern irgendwann auch. Das ist sicher eine gute Voraussetzung dafür, Vertrauen und Offenheit zu bekommen.

Jan/  Anfangs dachten wir, wir müssten erklären, was wir machen oder worum es uns geht, aber die meisten Musiker wollten das gar nicht hören. Zum Teil wussten sie schon, was wir machen. Hilfreich waren auch Gespräche über Platten, die für uns wichtig waren, wo wir dachten, die kennt kein Mensch. Platten, die aus dem A-Musik-Kontext kamen, also aus der Mitte der 90er Jahre. A-Musik ist ein Plattenladen in Köln, den es immer noch gibt, der als Kollektiv für experimentelle Musik angefangen hat mit dem Ziel, neuartige Vertriebsstrukturen zu etablieren und eine andere Art von Musik zu verbreiten. Justin Vernon hat ein Tattoo vom Cover einer Platte von Nuno Canavarro, Plux Quba, da hatte ich eine Original-Platte davon. Ursprünglich gab es mal 300 Pressungen davon, später wurde sie von Jim O’Rourke wiederveröffentlicht. Ich bin immer davon ausgegangen, dass diese Musik nicht viele Menschen kennen auf der Welt. Erstaunlich ist, dass selbst 300 Platten ausreichen, um eine Idee auf der ganzen Erde zu verteilen.

shareMAG: Eine musikalische Idee, die nur 300-mal geteilt wird und trotzdem ­weltweit unzählige Menschen inspiriert und anstößt. Großartig.

Jan/ Das war unfassbar. Genau solche Dinge schaffen Vertrauen und bewirkten auch bei uns eine gewisse Entspannung und natürlich auch bei den Musikern. Wir mussten dadurch nicht immer alles be­weisen, erklären oder von vorne ­erzählen. Der gemeinsame Tenor war eher: Ihr braucht nichts erklären, auch keine Ver­träge machen, lasst uns einfach machen und wir schauen, was dabei rumkommt. Und wenn ihr etwas davon gebrauchen könnt, freuen wir uns.

shareMAG: Gab es auch Künstler, die euch etwas mit auf den Weg gaben? Eine ­Anleitung, wie ihr Input eingesetzt werden soll?

Jan/ Bei Zach Condon von Beirut war es so, dass er explizit wollte, dass seine Stimme soundtechnisch manipuliert wird. Dass sie anders klingt als sonst. Er ist so eng mit seiner Stimme verbunden, er hat so eine klare Methodik, wie er seine Songs schreibt. Mouse on Mars kannte er übrigens schon, bevor er angefangen hat Musik zu machen, schon als junger Mann hat er das gehört. Für ihn war das ganz toll, in unserer Welt wieder aufzutauchen als ein Amalgam seiner eigenen Stimme und seiner Soundwelt. Er sah es wie eine Art Befreiung, wenn wir irgendwas damit machen würden. Tatsächlich ist sein Material die Grundlage für einige Stücke geworden. Wir haben spektral aus seiner Stimme Sachen rausgeholt, die dann orchestral aufgefächert und rhythmisiert wurden. Das waren Bewegungen, die wir auf anderen Platten bewusst so nicht vollzogen haben.

shareMAG: Haben das Teilen und diese generelle Offenheit für den Input von anderen euch geholfen ein bisschen aus der eigenen „Begrenztheit“, die man sowieso hat, wenn man Musik macht, weil man immer­zu die gleichen Rhythmen, Harmonien usw. im Kopf hat, rauszukommen?

Andi/ Ja, wir genießen das. Wir haben ja auch mit Musikfabrik zwei Ensemblestücke gemacht. Ich persönlich finde es so toll, wenn Instrumentalisten da sind und die eigene Arbeit interpretieren und man mit ihnen kommuniziert, an Klangstrukturen arbeitet. Dass man nicht selbst am Rechner sitzt oder an einer Software, sondern man die Musik gemeinsam erarbeitet mit Instrumentalisten. Unter diesem Aspekt kann Sharing auch sehr entspannend sein.

shareMAG: Was wir sehr interessant fanden beim Nachdenken über das Thema Klang und Sharing, war, dass ein Klang immer, schon wenn er entsteht, automatisch geshart wird.  Ein Ton existiert gar nicht, ohne dass er sich dir mitteilt, zu dir kommt. Damit gibt es auch keine Musik, die nicht zwangsläufig Sharing ist.

Andi/ Klang transportiert wahnsinnig viel Emotionalität und ist als Ressource un­endlich. Er ist kurz da und wieder weg, hallt aber noch. Er vibriert in der Wahrnehmung weiter und prägt, stimuliert, inspiriert.

Jan/ Was ich noch sagen wollte zu dieser Idee von Sharing, die ihr gerade skizziert habt: Klang ist eigentlich Teilen pur. Ein Klang entsteht und wird sofort geteilt. Das Interessante ist, dass ein Klang auch immer unterschiedlich wahrgenommen wird. Es gibt gar nicht diese eine Identität von Klang. Jeder, der die Mona Lisa sieht, weiß, das ist die Mona Lisa. Die wirkt bei jedem mehr oder weniger gleich. Manche müssen weinen, manche schmunzeln, manche denken sich: „Ist schön gemalt, aber berührt mich nicht so.“ Klang ist aber etwas, das jeder erstmal selbst entziffern muss. Das ist nicht zu verwechseln mit dem Code, der in Musik steckt, wenn man ein bestimmtes Stück hört; die Nationalhymne oder „Atemlos“ von Helene Fischer, da klingeln bei jedem sofort die Glocken. Das darf man nicht mit Klang verwechseln. Das ist Information, die durch Klang übertragen wird, der Klang ist nicht diese Information. Klang für sich ist wirklich ein ganz eigenartiges Phänomen. Klang ist, wie ihr richtig sagt, Teilen. Er ist auch nicht eine Information, die von A nach B wandert, sondern er funktioniert ja so, dass ein Molekül das andere anstößt, und das wiederum stößt dann das nächste an. Das ist per se Stille Post, das pure Teilen.

Andi/ Kleine Stille Post.

Jan/ Ja, eine kleine Stille Post … absolut. Klang ist unendlich teilbar. Das ist eine Form von Metateilen. Klang ist, wie Andi meinte, eine unendliche Ressource.

Interview Kai Hafner

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