Wie das Prinzip der Sharing Economy einem jahrhundertealten Produkt neues Leben einhaucht – und ganz nebenbei seine Ökobilanz verbessert.

 „Zero Waste“ ist in aller Munde. Um Müll zu vermeiden, ersetzen wir Plastiktüten durch Stoffbeutel, nutzen wiederverwendbare Becher für unseren morgendlichen Coffee-to-go und kaufen Milch in der Pfandflasche. Fast unbekannt ist hingegen, dass ein großer Teil des Restmülls deutscher Städte, nämlich zehn Prozent, von einem einzigen Produkt verursacht wird: der Plastikwindel.

Müll vermeiden – auch (oder gerade) mit Baby

Die gute alte Stoffwindel ist als Alternative zur Wegwerfwindel zwar meist bekannt, wird aber nur selten ernsthaft in Erwägung gezogen. Schätzungen zufolge wickeln nur rund fünf Prozent aller Eltern in Deutschland mit wiederverwendbaren Windeln. Zu groß scheint der (Wasch-) Aufwand, zu kompliziert die verschiedenen Systeme und zu unsicher, ob man dem Kind wirklich Gutes tut. Wie überzeugt man also junge Eltern, sich dieser vermeintlich überholten und umständlichen Wickelmethode anzunähern?

Mama-Unternehmerinnen aus Überzeugung

Zwei junge Mamas, Sonja Specks aus Berlin und Franziska Reif aus München, hatten da eine Idee. Die beiden haben ihre Söhne selbst mit modernen Stoffwindeln gewickelt und stießen dabei auf so manche Hindernisse: So kam sowohl die Kapazität der eigenen Waschmaschinen als auch das Zeitkontingent der jungen Familien schnell an ihre Grenzen. Aber auch die Reaktionen aus dem Umfeld zeigten: Es gibt viele Vorurteile gegenüber Stoffwindeln und oft dominieren veraltete Vorstellungen. Gedanklich sieht man Frauen an großen Töpfen Berge von Windeln auskochen und verzweifelte Eltern, die versuchen, viel zu große Tücher um viel zu kleine, zappelnde Kinder zu wickeln. Bedenkt man dann noch die recht hohen Anschaffungskosten von mehreren hundert Euro, wundert es nicht, dass junge Eltern zögern, sich in das Abenteuer „Wickeln mit Stoffwindeln“ zu stürzen.

Bequem und unkompliziert muss es sein

Um all diese Hindernisse aus dem Weg zu räumen, gründeten die beiden Mamas ihren Stoffwindelservice „Die Windelei“. Die Grundidee: Am leichtesten überzeugt man die Gesellschaft davon, Müll zu vermeiden, indem man sinnvolle und leicht zu nutzende Alternativen anbietet. So umfasst der Service der Windelei die Vermietung, die wöchentliche Lieferung und Abholung sowie das Waschen der Windeln. Kern des Angebots ist außerdem die persönliche Beratung und Begleitung der Familien während der gesamten Wickelzeit. So wollen die beiden Gründerinnen verhindern, dass junge Eltern gleich wieder aufgeben, wenn doch mal was daneben geht. Denn, so Franziska Reif, „mit Unterstützung und einigen Tipps, klappt es wirklich bei jedem Baby.“

Hygienisch durchdacht

Das Besondere am Vermietungskonzept der Windelei ist die spezielle Kennzeichnung der Windeln. Jedes Baby bekommt ein Windelpaket zugewiesen und erhält dieses auch nach der Wäsche wieder zurück. Erst wenn das Kind auf die nächste Größe wechselt oder keine Windeln mehr braucht, wird das entsprechende Paket an das nächste Kind weitergegeben.

Gewaschen wird gemäß Hygiene-Vorgaben des Robert-Koch Instituts. Dabei landet das große Geschäft übrigens nicht in der Wäsche, sondern wird von den Eltern mit Hilfe eines Windelvlies aus Zellstoff in der Toilette entsorgt. „Wenn wir dieses Vorgehen in der Beratung erklären, zerstreut das meist die verbliebenen Zweifel der Eltern“, erzählt Sonja Specks.

Die Gesundheit der Babys geht vor

Denn neben der Vermeidung von bis zu 1,5 Tonnen Windelmüll pro Kind, ist es vor allem der Gedanke an die Gesundheit des eigenen Kindes, der junge Eltern zur wiederverwendbaren Variante greifen lässt. Während Plastikwindeln häufig Parfums und Lotionen enthalten und Anfang 2019 sogar Spuren des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat gefunden wurden, greift die Windelei auf Stoffe aus Bio-Baumwolle und Bio-Hanf zurück. Weitere Gesundheitsvorteile ergeben sich durch die Atmungsaktivität der verwendeten Materialien, die Hautproblemen vorbeugt und einen schädlichen Temperaturanstieg innerhalb der Windel verhindert. Und nicht zuletzt werden Kinder, die mit Stoffwindeln gewickelt werden, häufig früher trocken.

Konsequent nachhaltig dank Sharing

Das Teilen der Windeln, also die Weitergabe von Kind zu Kind, beeinflusst die Ökobilanz zudem positiv. Denn der Aufwand steckt hier klar in der Herstellung. Mit jedem Kind, das die Stoffwindeln verwendet, verbessert sich also die Bilanz gegenüber Plastikwindeln weiter. Schon ab dem zweiten Kind ist die CO2-Bilanz der Stoffwindeln deutlich besser. Die Gründerinnen der Windelei achten zudem darauf, ihre Produkte aus verantwortungsvollen Quellen in Europa zu beziehen.

Durch effiziente Waschmaschinen in Großwäschereien kann außerdem sehr viel ressourcenschonender gewaschen, als dies im privaten Haushalt möglich ist. Durch die Verwendung von biologisch-abbaubaren Wasch- und Waschhilfsmitteln in möglichst geringer Dosierung wird die Umweltbelastung zudem minimiert.

Nachhaltig und hübsch anzusehen

Wichtig ist Sonja Specks und Franziska Reif bei ihrer Mission auch, zu vermitteln, dass es Spaß macht, mit Stoffwindeln zu wickeln. Die wasserdichten Überhosen der Windelei mit dem niedlichen Elefanten-Design sind wahrhaftig hübsch anzusehen und weitere Muster sind in Arbeit.

Übrigens: Junge Familien, die nicht in Berlin oder München leben, kommen zwar bisher nicht in den Genuss des bequemen Wasch-Lieferservice, können sich aber bei der Windelei Mietpakete bestellen. So lässt sich das Wickeln mit Stoffwindeln ganz ohne Anschaffungskosten und mit großer Flexibilität testen – ganz im Sinne der Sharing Economy.

Mehr erfahren unter www.windelei.de

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