Zu klein, zu schmal, zu spät: Die Suche nach einem freien Parkplatz in der Innenstadt treibt jeden Tag Millionen Autofahrer in die Verzweiflung. Start-ups wie Ampido oder ParkU wollen das ändern: mit Parkplatz-Sharing. Über deren Apps können Autofahrer bei Unternehmen oder Privatpersonen kurzfristig Stellflächen mieten, die gerade nicht genutzt werden. Eigentlich eine gute Idee. Trotzdem kommen die Marktplätze für private Parkplätze in Deutschland nur langsam ins Rollen.

Frankfurt am Main, 18:30 Uhr, Innenstadt. Für Berufspendler ist jetzt die beste Zeit, um schnell noch ein paar Besorgungen zu machen. Und natürlich die schlechteste. Weil es wie immer um die Uhrzeit keinen Millimeter vorwärtsgeht. Und weil es immer noch keine Autos gibt, die sich mit zwei, drei Handgriffen einfach zusammenfalten lassen, wenn einem danach ist. Zum Beispiel, wenn man endlich dort angekommen ist, wo man hinwill – und weit und breit mal wieder kein freier Parkplatz zu finden ist.

„Allein in Frankfurt entstehen durch die Parkplatzsuche für jeden Fahrer im Schnitt Mehrkosten von 1.410 Euro im Jahr.“

Die Suche nach einem freien Parkplatz in deutschen Innenstädten kostet nicht nur Nerven, sie ist auch teuer. Wie viel die Zeit- und Benzinverschwendung für das lästige Rumkurven kostet, hat 2017 der Verkehrsinformationsanbieter Inrix erforscht. Das Ergebnis: Allein in der Mainmetropole entstehen durch die Parkplatzsuche für jeden Fahrer im Schnitt Mehrbelastungen von 1.410 Euro im Jahr. In ganz Deutschland sind es über 40 Milliarden Euro – 380 Millionen wegen Falschparkens inklusive.
Aber stimmt das überhaupt? Haben wir tatsächlich zu wenig Parkplätze?

Von der Parklücke zur Marktlücke

Führende Unternehmen im deutschen Markt für Parkplatz-Sharing wie ampido.com oder parku.com sehen das anders. Nach ihrer Schätzung gibt es in Großstädten ab 500.000 Einwohnern gut 100.000 private Stellplätze, die einfach nicht effizient genutzt werden, weil sie die meiste Zeit leer stehen, zum Beispiel wenn deren Besitzer auf der Arbeit oder im Urlaub sind. Und diesen zeitweiligen Leerstand wollen sie für andere nutzbar machen: durch Parkplatz-Sharing.

Die Idee dahinter ähnelt derjenigen von Airbnb, dem Platzhirsch der Sharing Economy. Der Unterschied: Statt Wohnungen vermieten Privatpersonen, Unternehmen, Hotels, Krankenhäuser oder auch Universitäten ganz einfach ihre zeitweilig ungenutzten Parkflächen – für wenige Minuten, mehrere Tage oder Wochen.

Angebot und Nachfrage finden auf den Sharing-Plattformen der Betreiber zusammen. Hier geben die Vermieter an, wann, wie lang und zu welchem Preis sie ihren Parkplatz zur Verfügung stellen. Haben sich Autofahrer bei der Sharing-Plattform ihrer Wahl registriert, zeigt die jeweilige App auf einer Karte alle freien Parkplätze in der Umgebung an. Die lassen sich mit einem Fingerdruck reservieren und anschließend per Routenführung ansteuern. Bezahlt wird bargeldlos, ebenfalls über die App.

Ein Geschäftsmodell ohne Verlierer

Angesichts der Tatsache, dass die tägliche Parkplatzsuche wirklich keinen Spaß macht, kommt die Idee des Parkplatz-Sharings wie gerufen. Vor allem, weil es auch bei näherer Betrachtung eigentlich nur Gewinner gibt.

„Bei Mieteinnahmen von 50 Cent bis zwei Euro können sich Vermieter schnell 100 Euro oder mehr im Monat dazuverdienen.“

Zwar müssen Anbieter der jeweiligen Sharing-Plattform für jede erfolgte Vermietung eine geringe Vermittlungsgebühr bezahlen. Trotzdem können sie sich mit Mieteinnahmen von 50 Cent bis zwei Euro pro Stunde schnell 100 Euro oder mehr im Monat dazuverdienen. Freuen können sich auch die Mieter. Sie kommen ohne unnötige Umwege direkt ans Ziel, schonen ihre Nerven und müssen keine Knöllchen fürchten – selbst dann nicht, wenn sie vor einer gemieteten Einfahrt stehen. Gleichzeitig finden andere Autofahrer ohne Sharing-App schneller einen öffentlichen Parkplatz auf dem Seitenstreifen oder im Parkhaus.

Auch die Umwelt kann profitieren, wenn vorhandene Stellflächen effizienter genutzt werden.  Denn laut ADAC sind etwa 40 Prozent des innerstädtischen Straßenverkehrs zur Rushhour nichts weiter als Parkplatzsuchverkehr. Im Schnitt dauert die Suche zehn Minuten. Dabei legt jedes Auto eine Strecke von 4,5 Kilometern zurück und stößt 1,3 Kilogramm CO2 aus. Positive Auswirkungen hätte Parkplatz-Sharing dann, wenn die CO2-Emissionen durch den Wegfall der Parkplatzsuche messbar sinken und keine gegenteiligen Effekte eintreten würden. Zum Beispiel, weil die besseren Parkmöglichkeiten mehr Menschen dazu verlocken könnten, mit dem Auto in die Stadt zu fahren, anstatt umweltschonend Busse, Bahnen oder das Fahrrad zu nutzen.

Innovationen treiben das Angebot

Aussagekräftige Umweltstudien dazu gibt es noch nicht. Das liegt auch daran, dass das Teilen von Parkplätzen sieben Jahre nach der Gründung der ersten Plattformen immer noch ein Randphänomen der Sharing Economy ist. Jedenfalls in Deutschland.

Denn während Anbieter wie Gottapark in den USA oder Justpark im Vereinigten Königreich auch durch die finanzielle Unterstützung von Partnern wie Daimler und BMW mehrere Hunderttausend Nutzer haben und in fast jeder größeren Stadt flächendeckend Parkplätze vorweisen können, sieht es hierzulande bislang eher mau aus.

Sucht man zum Beispiel nach einem Parkplatz in Berlin, liefert die deutsche Sharing-Plattform ampido.com nicht mehr als 15 Treffer. Beim Schweizer Marktführer parku.com, der inzwischen in über 30 Ländern aktiv ist, sind es rund 45. Zum Vergleich: Wer auf der internationalen Plattform mobypark.com in Amsterdam sucht, findet rund 980 Parkplätze, in Paris sogar über 1.200.

„Wer Eigentümer eines Stellplatzes ist, kann ihn ohne Einschränkungen über das Internet anbieten. Wer ihn nur gemietet hat, braucht eine Erlaubnis vom Vermieter.“

Woran es liegt, dass Parkplatz-Sharing in Deutschland nur langsam ins Rollen kommt, lässt sich schwer sagen. Sicher ist nur: Das Geschäft ist kleinteilig, die Akquise von Vermietern aufwendig. Und ist das Parkplatzangebot der Plattform-Apps zu klein, springen die Nutzer gleich wieder ab.

Rechtliche Hürden sind jedenfalls kein Hindernis. Wer Eigentümer eines Stellplatzes ist, kann ihn ohne Einschränkungen über das Internet anbieten. Wer ihn nur gemietet hat, muss sich die Erlaubnis zum Teilen beim Vermieter einholen.

Verantwortlich für die zögerliche Entwicklung ist bislang vor allem, dass nur wenige Autofahrer und Parkplatzinhaber von Parkplatz-Sharing gehört haben, geschweige denn wissen, wie es funktioniert. Vielfach scheitert die Bereitschaft zu teilen auch an technischen Hürden. Zum Beispiel an verschlossenen Einfahrten oder Schranken, die einer unkomplizierten Vermietung durch Hotels oder Unternehmen buchstäblich im Weg stehen.

Die Sharing-Plattform ParkU hat dieses Problem erkannt und eine Lösung gefunden, mit der sich verschlossene Zufahrten per App und via Mobilfunk öffnen lassen, sobald ein Vermieter die dazugehörige Technologie bei sich installiert hat. So lassen sich auch solche Parkplätze stunden- oder tageweise problemlos vermieten, deren Zugang aus Sicherheitsgründen verschlossen ist. Manchmal funktionieren gute Ideen eben nicht von allein, sondern erst, wenn man mit besseren Ideen nachhilft.

Parkplatz-Sharing: Das sind die wichtigsten Anbieter in Deutschland

Ampido: Das Kölner Start-up ist seit 2012 am Markt. Im Angebot sind etwa 11.000 Parkplätze in ganz Europa, darunter auch Stellflächen hinter Schranken oder Toren, die sich mit der Ampido-App (für Android und iOS) öffnen lassen. Nutzbar für Autofahrer in Deutschland ist der Service in den Städten Köln, München, Hamburg, Berlin, Nürnberg, Düsseldorf, Frankfurt und Stuttgart. Weitere Infos: www.ampido.com

ParkU: Mit der App des Schweizer Unternehmens können iPhone- und Android-Nutzer in 55 deutschen und europäischen Städten unkompliziert nach freien Parkplätzen suchen. Neben Stellplätzen auf Privatgelände zeigt die All-in-One-Parkplatz-App auch gebührenpflichtige Parkplätze am Straßenrand sowie gewerbliche Stellplätze in Parkhäusern an, die sich reservieren und bargeldlos bezahlen lassen. Wie Ampido nutzt auch ParkU eine Technologie, mit der sich Schranken oder verschlossene Tore via App öffnen lassen. Weitere Infos: www.parku.com/de

ParkingList: Das Berliner Unternehmen vermittelt private Garagen und Stellplätze auf Privatgrundstücken, wendet sich dabei aber in erster Linie an Dauerparker. Zum Angebot gehört auch die Vermittlung von freien Stellflächen an den Flughäfen Düsseldorf, München und Berlin sowie an Kreuzfahrthäfen wie dem Hamburger Cruise Center HafenCity und Steinwerder oder am Cruise Center in Kiel. Die Vermittlung erfolgt über die ParkingList-App (für Android und iOS). Weitere Infos: www.parkinglist.de

Parkplace: Auch das 2009 in Esslingen gegründete Unternehmen will Parkplatz-Sharing vereinfachen. Vermittelt werden Parkplätze und Garagen in Berlin, Köln, Hamburg, München, Frankfurt und Stuttgart – allerdings nur über die Website des Unternehmens. Eine App ist nicht verfügbar. Weitere Infos: https://parkplace.de

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