Die steigende Verbreitung elektronischer, teilautonomer und autonomer Fahrzeuge sowie die zunehmende Akzeptanz innovativer Sharing-Portale führt zu immer größeren Umbrüchen im Mobilitätsbereich. So sind ein eigenes Fahrzeug oder der Besitz eines Führerscheins für viele junge Menschen längst nicht mehr so attraktiv wie noch vor wenigen Dekaden.

All diese Entwicklungen beeinflussen nicht nur unseren Alltag, sondern auch den Beschäftigungsmarkt. Dabei werden traditionelle Berufe wie Taxifahrer, Chauffeur oder Lkw-Fahrer in Zukunft wohl gänzlich von der Bildfläche verschwinden. Doch welchen Einfluss hat die Sharing Economy wirklich auf unseren Arbeitsmarkt, welche bestehenden Berufe sind von den Änderungen am stärksten betroffen und welche neuen Beschäftigungsmöglichkeiten werden in Zukunft besonders stark nachgefragt?

Teilen liegt im Trend

Das Auto ist mit Abstand das beliebteste Fortbewegungsmittel in der industrialisierten Welt. Mehr als zwei Drittel aller Erwerbstätigen setzen aktuell auf ein privates Fahrzeug, um den täglichen Weg zur Arbeit zu bewerkstelligen. Daraus resultiert, dass Fahrzeuge mehr als 90 % der Zeit unbenutzt am Parkplatz stehen. Die ineffiziente Nutzung und auch der derzeit aufkeimende Kampf gegen den Klimawandel machen Car-Sharing, Fahrtendienste wie Uber oder Mitfahrerbänke zu einer interessanten Alternative für viele Konsumenten. Die Idee des Teilens von Ressourcen beschränkt sich jedoch nicht nur auf den Mobilitätssektor, sondern findet in immer mehr Lebensbereichen Anwendung. So buchen moderne Reisende ihr Urlaubsapartment flexibel über Airbnb. Für die letzten Kilometer bis zur Urlaubsdestination wird wiederum der beliebte Fahrtendienst Uber gewählt. Das Teilen findet sich zudem verstärkt in unserem Alltag wieder. Soziale Plattformen, die sich auf den Austausch von Kleidung, Fahrrädern, Parkplätzen oder bestimmten Services und Dienstleistungen spezialisiert haben, sind nur wenige Klicks entfernt und bieten überwiegend eine gleich hohe oder sogar bessere Qualität und mehr Flexibilität als Angebote im traditionellen Handel.

Die Gig-Economy

Das Schlagwort Gig-Economy ist untrennbar mit dem Trend des Teilens verbunden. Dabei bezeichnet der Ausdruck genau jenen Teil des Arbeitsmarktes, der sich mit der Vergabe kleiner und kurzfristiger Aufträge an Freiberufler und Selbstständige befasst. Die Minijobs werden oftmals auf Onlineplattformen angeboten, die für ihre Vermittlungstätigkeit eine Provision erhalten. Charakteristisch für diese Arbeitsmodelle ist der Umstand, dass Arbeitskräfte zur Erfüllung der Aufträge oftmals eigene Ressourcen, wie beispielsweise Fahrzeuge, Laptops oder Mobiltelefone einsetzen. Zu den bekanntesten Vertretern der Szene zählen neben dem Taxidienst Uber auch die Lieferdienste Foodora und Lieferheld.

Die Vorteile des Trends

Die Gig-Economy bietet viele Vorteile, wobei Experten davon ausgehen, dass das Angebot und die Nachfrage in diesem Bereich zukünftig enorm ansteigen werden. Das schlagende Argument ist hierbei die hohe Flexibilität, von der sowohl der Auftraggeber als auch der Auftragnehmer profitiert. So sind Minijobs schon heute weit mehr als eine Nebentätigkeit, die ausschließlich von Rentnern oder Studenten ausgeführt wird. Vielmehr interessieren sich viele Erwerbstätige in klassischen Berufen für Minijobs, um ihr bestehendes Gehalt aufzubessern.

Die Risiken des neuen Trends

Im Gegensatz zu traditionellen Dienstverhältnissen haben Freiberufler und Selbstständige, die auf diesen Plattformen tätig sind, keinen Anspruch auf Krankheits- oder Urlaubstage. Auch Zulagen, Bonuszahlungen, Diäten und Prämien sind eher die Ausnahme. Zusätzlich müssen sich die Beschäftigten selbstständig um die Versteuerung und die notwendigen Versicherungen kümmern. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Gewerkschaften nicht müde werden, auf die Gefahren der Gig-Jobs hinzuweisen. Besonders die Einhaltung bestehender Rahmenbedingungen, wie beispielsweise die Einhaltung gesetzlicher Ruhezeiten, Feiertagszuschläge, Nachtarbeit oder Urlaubsbestimmungen, sind hierbei ganz besonders kritisch.

Die Gewinner und Verlierer der Sharing Economy

Wie schon die industrielle Revolution, so macht auch die Share Economy einige Berufe zukünftig obsolet. Andere Berufe gewinnen jedoch zunehmend an Bedeutung, wobei sogar komplett neue Berufe und gänzlich unbekannte Beschäftigungsmodelle entstehen.

Die Gewinner der Shared Mobility

Nicht nur Gig-Worker profitieren vom Umschwung im Mobilitätssektor. So entstehen besonders im urbanen Bereich zahlreiche neue Jobs, wobei speziell die Sektoren IT, Kundenbetreuung und Marketing von der Shared Mobility profitieren. Zudem sind auch Kommunikationsfachleute, die die Sprache der sozialen Medien sprechen, überaus gefragt. Der Trend macht sich ferner in den Fabriken großer Konzerne bemerkbar, die ganz im Sinne der Industrie 4.0 verstärkt auf innovative Produktionsverfahren setzen. Dabei arbeiten schon heute sogenannte Cobot-Worker gemeinsam mit Robotern Hand in Hand an der Herstellung von Fahrzeugen und anderen wirtschaftlichen Gütern. In diesem Zusammenhang rücken Berufe wie der des HMI Designers, der sich um die Gestaltung des Human Machine Interfaces kümmert, verstärkt in den Vordergrund. Weitere Gewinner des Umschwungs sind Personen, die ganz spezielle Nischen bedienen. Der Beruf des Mobilitätstrainers, der die unterschiedlichsten Verkehrsteilnehmer auf die sich ändernde Verkehrslandschaft vorbereitet, ist beispielsweise eine neue Karrierechance, welche die Shared Mobility mit sich bringt.

Die Verlierer der Shared Mobility

Offensichtliche Verlierer des Trends sind selbstverständlich all jene, die derzeit in klassischen Mobilitätsberufen tätig sind. So werden Taxifahrer, Lkw-Fahrer und Chauffeure in unmittelbarer Zukunft weitaus weniger nachgefragt werden als bis dato. Der Trend macht sich jedoch ebenso in ganz anderen Bereichen bemerkbar. So gehen Studien davon aus, dass beispielsweise in den USA seit dem Beginn von Uber mehr als eine halbe Million Fahrzeuge weniger verkauft wurden. Setzt sich der Trend fort, werden bis zum Jahr 2020 wohl weit mehr als 1,2 Millionen Autos weniger abgesetzt werden. Autobauer stehen somit unter Zugzwang, wodurch ein kontinuierlicher Mitarbeiterabbau in diesem Bereich immer wahrscheinlicher wird.

Die Herausforderungen der Shared Mobility

Waren im Jahr 2014 lediglich 6 % aller deutschen Arbeitnehmer als Selbstständige oder Freiberufler tätig, so gehen aktuelle Schätzungen davon aus, dass in den EU-15 Staaten und in den USA derzeit 20 % bis 30 % der Bevölkerung zumindest teilweise in freien Jobs tätig sind. Mehr als die Hälfte der Personen benutzt Minijobs als zusätzliches Einkommen, wobei US-amerikanische Studien belegen, dass rund ein Drittel aller Uber-Fahrer der Tätigkeit nur nebenberuflich nachgeht. Genau hier liegt das Problem des Trends. Durch die Minijobs werden keine neuen Vollzeitjobs geschaffen, sondern vielmehr zeitlich befristete Arbeitsangebote, die bestimmte Qualifikationen voraussetzen. Die Arbeitgeber haben hierbei den Vorteil, sich die besten Mitarbeiter am freien Markt aussuchen zu können. Dank befristeter Verträge werden fixe Personalkosten durch bedarfsgebundene variable Kosten ersetzt, wodurch wiederum höhere Gewinne möglich werden. Für Arbeitnehmer mit mangelnder Ausbildung wird es dadurch immer schwieriger werden, sich langfristig am Arbeitsmarkt zu etablieren. Zu dieser kritischen Situation gesellt sich zudem der erhöhte Druck, dem Arbeitgeber zunehmend ausgesetzt sind. So werden Arbeitnehmer auf Portalen wie Uber für jeden Gig-Job bewertet. Mehrere schlechte Bewertungen, falsches Fahrverhalten oder die Gefährdung der Passagiere können nicht nur das Karriereende bedeuten, sondern auch problematische Versicherungsfälle auslösen, für die ein Fahrer unter Umständen selbst haften muss.

Fazit

Neue Konzepte gepaart mit innovativen Plattformen machen die Vermittlung von mobilen Angeboten deutlich einfacher und schneller und somit attraktiver für den Konsumenten. Dabei nimmt die Sharing Economy derzeit deutlich an Fahrt auf, ohne jedoch als der erhoffte Beschäftigungsmotor zu fungieren. Besonders der Verdrängungsfaktor beeinflusst hierbei die positiven Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. So entstehen zwar fortlaufend neue Geschäftsfelder, die jedoch wiederum traditionelle Berufe obsolet machen. Die neuen Jobs verlangen zudem spezielle Fähigkeiten und sind aufgrund der Rahmenbedingungen nicht immer zum Vorteil der Arbeitnehmer. Es bedarf daher nicht nur der Bereitschaft des lebenslangen Lernens und der ständigen Weiterbildung auf Seiten der Arbeitnehmer, sondern auch gesetzlichen Regelungen, die die neuen Arbeitsmodelle regulieren und die Arbeitnehmer vor Übervorteilungen schützen.

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