Im Durchschnitt besitzt jeder Deutsche 95 Kleidungsstücke. Jedes fünfte Kleidungsstück wird dabei so gut wie nie getragen. Das ergab eine repräsentative Greenpeace-Umfrage. Hochgerechnet sind das 1 Milliarde Kleidungsstücke, die in Deutschland ungenutzt im Schrank liegen. Von Teilen, die höchstens alle vier Monate getragen werden, ist hier noch gar nicht die Rede.

Diesen Umstand machen sich immer mehr Plattformen zunutze. Ob die Kleiderei, Chic by Choice, Dresscoded.com oder RE-NT, sie alle bieten die Möglichkeit, Kleidungsstücke zu leihen, anstatt sie zu kaufe, also Sharing für Kleidung. Für sie ist das die Antwort auf den immer größer werdenden Trend der Wegwerfmode. „Fast Fashion“ nennt sich dieses Phänomen und beschreibt ein Geschäftsmodell, bei dem sich die Kollektionen der Fashion-Retailer laufend ändern und sich so die Zeit, bis die neuesten Designs der Modeschöpfer als Massenware in den Filialen landen, stark verkürzt.

Dennoch unterscheiden sich die Anbieter in ihren Motiven. Wir haben uns zwei Anbieter angeschaut, die beide unterschiedlicher nicht sein könnten: Chic by Choice, eine Website, die Designerkleider zum Verleih in Europa anbietet, und RE-NT, ein Start-up in Berlin, das es sich zum Ziel gemacht hat, mit dem Sharing-Konzept die Umwelt zu retten. Während beim Ersteren der Spaß an Mode an erster Stelle steht, ist es bei RE-NT vor allem der ökologische Fußabdruck unserer Kleidung, der das Unternehmen zu seinem Konzept inspiriert.

Das spiegelt sich auch in den unterschiedlichen Bestellprozessen wider. Chic by Choice erscheint als klassischer Online-Shop. Hier soll man die Möglichkeit haben, für jeden besonderen Anlass, von der Hochzeit der besten Freundin bis zur Abendgala, das passende Designerkleid für sich zu finden, und das zu einem Bruchteil des Kaufpreises. Ein Designerkleid von Marc Jacobs beispielsweise kostet beim Kauf 1.285 €. Für vier Tage sind es nur 165 €, wobei es zusätzlich geliefert, wieder abgeholt und gereinigt wird. RE-NT hingegen fordert mehr Commitment von seinen Kunden. Im Abo-Service bekommt man hier für 50 € im Monat maximal sechs Kleidungsstücke zugeschickt. Eine Vorab-Beratung mit einem Styling-Experten stellt dabei sicher, dass die ausgewählten Styles auch wirklich zu einem passen. Man meldet sich also an, mietet sich Klamotten, die von einem Label oder Shop gestellt werden, und gibt sie dann nach einem Monat wieder zurück. Das Start-up übernimmt dabei die Vermittlung und Ausführung. Dabei soll ein Kreislaufsystem etabliert werden, bei dem die neuen Fashion-Items nicht mehr nur im Schrank verstauben, sondern so oft getragen werden, bis es das Material nicht mehr hergibt.

Egal ob es Designermode für jedermann oder eine nachhaltigere Variante für Shoppingbegeisterte ist, in beiden Fällen führt das Sharing dazu, das heutige Konsumverhalten zu überdenken. Es bietet den Konsumenten die Möglichkeit, den Spaß an neuen Trends auszuleben und gleichzeitig eine bewusstere Kaufentscheidung zu treffen.

Auch wenn sich die meisten Menschen wahrscheinlich noch an den Gedanken gewöhnen müssen, ihre Kleidung in Zukunft mehr zu erleben, anstatt sie zu besitzen, gibt es schon heute gute Gründe, Sharing für Kleidung auch in der Mode viel häufiger zu nutzen.

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