Ich glaube, wir leben in einer Welt, die sich nach sozialem Zusammenhalt sehnt. Die Angst hat vor Entfremdung. Anonymisierung. Übertriebener Individualität. Darum ist Teilen für uns bei share der Kern sozialen Zusammenhalts.

Nach der App ShareTheMeal hatten mein Co-Gründer und damaliger ShareTheMeal-Mitarbeiter Ben und ich die Idee, dass man nicht immer nur mit dem Mobiltelefon teilen kann, sondern es auch einfach mit Lebensmitteln des täglichen Gebrauchs oder Konsum­gütern geht.
Wir haben verschiedene Workshops mit Händlern gemacht und gemerkt, dass die Händler die Idee ­ziemlich gut fanden. Jetzt arbeiten wir mit REWE und dm zusammen. Ich glaube, dass beide gesellschaftlich verantwortliche Unternehmen sein wollen. Nur ein Unternehmen, das gesellschaftlich verantwortlich ist, wird mittelfristig überleben.
Wir wollen die Welt durch Unternehmertum verbessern. Ich bin Sozialunternehmer. Der Zweck meines Unternehmens ist die nachhaltige oder wirtschaftliche Generierung von sozialem Nutzen. Mein Anspruch ist, dass irgendwann jeder sozial konsumiert. Dass jeder ethisch verantwortlich konsumiert. Und es irgendwann einfach keine extreme Armut mehr gibt.
Es gibt eigentlich keinen Grund, warum der Konsument nicht zu share greifen sollte. Die Qualität ist genauso gut wie bei anderen Produkten. Es kostet dasselbe, vielleicht ein oder fünf Cent mehr. Mit dem, was andere für Marketing ausgeben oder als Gewinn­marge be­halten, finanzieren wir soziale Intervention. Ich kann die ­Kosten einer Mahlzeit in einem Müsliriegel unterbringen, das ist das Konzept.

share ist der Versuch, ein Sozialunternehmen zu bauen. Ein Unternehmen, das nur dann wirtschaftlich sein kann, wenn es einen signifikanten sozialen Nutzen generiert. Darum geht es bei share. Es muss sozial sein. Für jedes Produkt, das wir verkaufen, bekommt jemand anders ein gleichwertiges Produkt.
Wir wollen am liebsten den Hunger morgen besiegen. Aber wenn wir keine Risiken eingehen, wenn wir nicht bereit sind, Dinge extremer zu machen als andere, dann wird es nicht klappen.
Ich will, dass meine Kinder mal die share-Produkte im Supermarkt in den Regalen sehen, auch in fünf oder zehn Jahren. Und dass sie sich freuen, wenn ein anderes Kind etwas bekommt, wenn sie selber etwas bekommen. Das ist für mich ein magischer Gedanke.


Text Jörg Bredendieck

Sebastian Stricker gehört mit Iris Braun, Ben Unterkofler und ­Tobias Reiner zum Gründungsteam von share. Er studierte Betriebswirtschaft und Politikwissenschaft, arbeitete bei einer Unternehmensberatung, für die Clinton-Stiftung und die Vereinten Nationen. Nachdem er die App ­ShareTheMeal konzipiert hatte, die täglich 30.000 Tages­rationen hungernden Kindern zur Ver­fügung stellt, wandte er sich einem neuen Projekt zu: share.

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